Sie sind mitten im Gespräch, z.B. in einer Teamsitzung, und dann bringt ein Kollege oder eine Kollegin einen Einwand, der das Thema augenscheinlich sofort abwürgt: „Das geht nicht!“, „Das weiß doch jeder!“, „Das hat doch keinen Sinn.“, „Das fällt nicht in meinen Verantwortungsbereich“, „Haben Sie keine anderen Sorgen?“, „Das hört sich in der Theorie ja ganz gut an, aber…“, „Wir haben doch auch so schon genug zu tun.“
Solche und ähnliche Sätze werden in der Kommunikation entweder als Killerphrasen oder als Totschlagargumente bezeichnet.
Der Zweck von Killerphrasen und Totschlagargumenten
Der Zweck dieser Aussagen – von Killerphrasen oder Totschlagargumenten, liegt in der Regel nur darin, die Verhandlung bzw. Gesprächssituation schnellstmöglich zu beenden. Oder darin, die aktuelle Diskussion abzutöten (engl.: to kill). Der Ausdruck geht auf den US-amerikanischen Autor und Management-Theoretiker Charles H. Clark zurück, der diese inhaltsleeren Behauptungen als „killer phrases“ * titulierte.
Dies ist nicht immer sofort erkennbar, da einige Redewendungen den Anschein haben, einen argumentativen Hintergrund zu benennen, beispielsweise „Das hört schien der Theorie ja ganz gut an, in der Praxis ist das nicht realistisch“. Ist der eigentliche Zweck durch ein Argument getarnt, sprechen wir von Totschlagargumenten. Weitere Beispiele gefällig? Hier kommen sie: „Das hat noch nie funktioniert.“, „Das würde den Rahmen sprengen.“, „Das ist unsere Chefin nicht vermittelbar.“
Fehlt dieser argumentative Anstrich: „Das ist Unsinn!“, „Das ist halt so.“, „ Haben Sie keine anderen Sorgen?“ handelt es sich um eine sogenannte Killerphrase. Im Privaten bekam ich letztens die Antwort „Lass ihn doch!“. Damit war das Gespräch beendet. Grmpf…
Besonders wirksam ist diese Art der Kommunikation vor allem in Gruppen, weil der sich Äußernde annimmt und vorgibt, „dass die Mehrheit der Diskussionsteilnehmer entweder mit ihm übereinstimmt oder keinen Widerspruch wagt, da dies in der öffentlichen Meinung auf Ablehnung stößt.“ **
Destruktiver Kommunikation begegnen
Ob nun Killerphrase oder Totschlagargument: Beide Arten der Kommunikation sind destruktive Formen des Miteinanders. Das Entwickeln von Lösungen oder Übereinkünften ist durch den Einsatz dieser verbalen Angriffe erschwert, denn das Gespräch kommt ins Stocken.
Was können Sie also tun, wenn Sie in solch einer Situation sind?
- Eine Reaktion die immer hilfreich ist: Antworten Sie nicht, sondern fragen Sie!
Beispiele: „Welche Bedenken haben Sie?“, „Was meinen Sie damit?“, “Wodurch entsteht dieser Eindruck bei Ihnen?“, „ Kannst Du das konkretisieren?“, „Was wäre dann der richtige Ansatz“ - Wenn Sie antworten, führen Sie die Kommunikation wieder auf die Sachebene zurück.
Beispiele: „Danke für Ihre Rückmeldung. Kommen wir wieder zurück zum eigentlichen Thema…“, „Vielen Dank für die Wortmeldung, wie bereits gesagt, geht es mir um folgendes…“, „ Danke für den Hinweis, um fortzufahren…“ - Beziehen Sie andere Gesprächsbeteiligte mit ein.
Beispiel: „Herr Ludwig hat gesagt, das geht in der Praxis in seinem Team nicht. Wie sehen Sie das in Ihren Teams? Welche Möglichkeiten zur Umsetzung dieser Maßnahme könnten wir da nutzen?“ - Kontern Sie ruhig mal. Je nach beruflichen Kontext oder dem sozialen Umfeld sind offensive Reaktionen durchaus sinnvoll und effektiv.
Beispiele: „Ich glaube nicht, dass Sie das beurteilen können.“, „ Sie meinen, das geht praktisch nicht? Das halte ich für eine Theorie!“ - Nehmen Sie es mit Humor.
Beispiele: „Danke für das Kompliment!“, „Sie haben Recht! Manchmal vergesse ich total, wie sinnlos alles ist!“
Sind Sie eher sachlich geprägt, hilft auch das:
- Thematisieren Sie die Killerphrase als solche.
Beispiele: „Wo liegt in Ihrer Rückmeldung die Lösung?“, „Gibt es außer dieser Killerphrase noch Argumente gegen diese Idee?“ (hier ist jedoch auch schnell ein Gesichtsverlust des Anderen möglich, daher sehr akzentuiert einzusetzen)
Reagieren Sie in jedem Fall auf Killerphrasen und Totschlagargumete
In jedem Fall gilt: Reagieren Sie! Verziehen Sie das Gesicht, sagen Sie etwas. Denn eine Nichtreaktion wird in der Regel als unsouverän und als Hilflosigkeit interpretiert. Das Ignorieren sollte eine absolute Ausnahme sein. Nutzen Sie wenn möglich Moderatoren oder Diskussionsleiter, welche auf die Einhaltung unlauterer Kommunikationsarten achten.
Im Führungskräfte-Coaching Reaktionen auf destruktive Kommunikation üben
Sollten Sie als Führungskraft Mitarbeiter:innen haben, die gerne Killerphrasen oder Totschlagargumente bringen, übe ich mit Ihnen, wie Sie darauf authentisch und vor allem souverän reagieren können. Denn neben dem gesprochenen Wort passiert in der Regel auch etwas mit unseren Emotionen. Killerphrasen können frustrieren, demotivieren, nerven, wütend machen und noch viel mehr. Bevor Sie auf das Totschlagargument verbal reagieren können, brauchen Sie vielleicht erst eine emotionsregulierende Übung. Denn einfach wütend „Gegenpfeffern“ entlastet Sie vielleicht und zeigt dem Gegenüber, dass Sie genervt sind. Kommt dann aber nur ein „Na stimmt doch“, kocht es nur noch mehr in Ihnen.
Sind Sie emotional stabil, übe ich mit Ihnen Körperhaltung und Antworten auf typische Argumente. Damit sie im „Ernstfall“ auch parat sind, ist das fast wie Vokabeltraining: Wiederholung hilft!
Totschlagargumente wie „Das haben wir bisher doch nicht gemacht und es hat trotzdem funktioniert.“ kommen manchmal als Argument daher, sind vom Gegenüber aber eher als Gesprächsende gemeint. Killerphrasen wie z.B. „Das ist doch Unsinn“ haben gar nicht erst einen argumentativen „Anspruch“, sie signalisieren ein sofortiges Beenden des Gesprächs.
6 Tipps, wie Sie bei destruktiver Kommunikation mit Killerphrasen oder Totschlagargumenten umgehen können:
- Antworten Sie nicht auf das Argument, sondern Fragen Sie zurück.
- Wenn Sie antworten, bringen Sie die Diskussion wieder auf die Sachebene zurück.
- Beziehen Sie andere Gesprächsbeteiligte mit ein.
- Kontern und beenden Sie diesen Gesprächsstrang.
- Antworten Sie mit Humor, ziehen Sie sich gegebenenfalls „durch den Kakao“.
- Thematisieren Sie die Killerphrase als solches – und schicken Sie den Zweck davon in diesem Impuls an die Kollegin oder den Kollegen (-:
Wie Sie Killerphrasen oder Totschlagargumenten begegnen können.
Es gibt kein Pauschalrezept – außer, das Killerphrasen-Spiel nicht mitzuspielen. Aber nicht durch Ignoranz, sondern durch eine geeignete Reaktion.
Vermeiden Sie dabei Rechtfertigungen und direktes Antworten auf das Scheinargument. Reagieren Sie nicht persönlich oder dominant, auch wenn Sie sich möglicherweise persönlich angegriffen fühlen. Oftmals merken Menschen gar nicht mehr, dass sie Killerphrasen einsetzen.
Besser: lassen Sie solche verbalen Attacken ins Leere laufen. Reagieren Sie sachlich und schwungvoll, denn so halten Sie die Diskussion, das Gespräch in Gang und können sich gemeinsam den angestrebten Lösungen widmen.
Im Coaching unterstütze ich Sie dabei, wie Sie
- destruktive Kommunikation erkennen,
- ihre Emotionen in den Griff bekommen,
- auf Killerphrasen und Totschlagargumente souverän reagieren.
Interesse?
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Claudia Seidel
Coaching-Methode
Diesen Text und die Methoden hat Maik Dietrich*** zusammengestellt. Zur Emotionsreguliereung nutze ich Methoden aus ORSCC, ansonsten nutze ich Brainstorming und KI sowie Dialogübungen für das einüben der Reaktionsmöglichkeiten.
Quellen:
* Charles Clark: Brainstorming. Methoden der Zusammenarbeit und Ideenfindung
**Wikipedia -> Totschlagargument
*** zahlreiche eigene Situationen von Maik in Trainings und Seminaren 😉

