„Nu geh doch mal!“ – denke ich mir regelmäßig am Bahnhof Berlin Ostkreuz. Vor mir: eine Frau, den Kopf nach unten hängend, zunehmend langsamer werdend. Der Weg ist eng, das Vorankommen zäh. Neben mir ein weiterer Kandidat, ebenfalls in typischer Smartphone-Haltung. Überholen? Kaum möglich.
Mein Coaching Pavillon liegt nahe Berlin Ostkreuz. Ich nutze ihn manchmal für den Weg zwischen Lichtenberg und Friedrichshain. Er ist mit über 50.000 Pendlerinnen und Pendlern sehr hoch frequentiert. Das heißt, gebückt und langsam laufende Menschen, die auf ihr Smartphone blicken, blockieren nicht nur mich, sondern mindestens 10 bis 100 andere.
Beruflich ist dieser Zeitgeist auch eingezogen: Im Führungskräftecoaching beklagte ein Teamleiter, dass eine Mitarbeiterin permanent auf ihr Smartphone schaut. Sogar, wenn er neben ihr sitzt! Dass sie damit nicht nur ihren Chef irritiert, sondern auch ihre Arbeitsleistung verringert, stört sie nicht. Sie ist eben – wie die Bahn-Pendler oben, mehr im „dort“ (Instagram, Tiktok, WhatsApp, keine Ahnung wo) als im „hier und jetzt“, bei der Arbeit.
Der Blick aufs Handy schlägt den Blick nach vorn.
Das häufige aufs Handy schauen, Infos (oberflächlich) konsumieren, mit Menschen die nicht neben einem sind kommunizieren usw., das alles ist ein Phänomen unserer Zeit, der Zeitgeist. Dem folgen meiner Beobachtung nach nicht nur Jugendliche oder junge Erwachsene; auch ältere Erwachsene verhalten sich so. Es ist weit verbreitet. Das kann gut sein, hat aber auch ungünstige Nebenwirkungen.
Die Konsequenzen der permanenten Smartphone-Nutzung
Mir als Business Coachin geht es bei dem Thema der permanenten Smartphone-Nutzung weniger um die körperlichen Konsequenzen wie Haltungsschäden oder Schlafprobleme. Mir geht es um die zwischenmenschlichen Folgen im beruflichen Miteinander und die wirtschaftlichen Folgen für die Unternehmen.
Die Konsequenzen aus dem Zeitgeist der „permanenten Handynutzung“ können positiv wie negativ sein.
Zu den positiven Aspekten fällt mir ein
- der enge Kontakt zu Kollegen, auch wenn sie nicht vor Ort sind,
- das asynchrone Austauschen und Erhalten wichtiger Information, z.B. von Arbeitsaufträgen,
- das schnelle Reagieren können und
- die gute Erreichbarkeit.
Zu den negativen Folgen der häufigen Smartphone-Nutzung fällt mir ein und gibt eine Studie an (*):
- Unaufmerksamkeit gegenüber dem hier und jetzt,
- verminderte Leistung und mehr Fehler*,
- isoliertes Arbeiten bzw. Ignorieren von Kollegen,
- überzogene Erwartungen hinsichtlich Erreichbarkeit und Reaktionszeit.
Im Businesskontext kann sich der Zeitgeist der „permanenten Handynutzung“ also nicht nur auf das Zwischenmenschliche Miteinander auswirken, sondern auch auf den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Nämlich dann, wenn Mitarbeitende oder Teams schlechtere Ergebnisse produzieren, Ziele nicht erreichen oder unzufriedene Kunden hinterlassen.
Spätestens jetzt ist es an der Zeit, dass Führungskräfte die Smartphone-Nutzung ansprechen und im Team regeln.
Die Handynutzung im Unternehmen regeln
Im Unternhemen gilt es ja, Arbeit zu erledigen – eine Planung, einen Antrag, eine Kundenanfrage. Hierfür braucht es Zeit und Aufmerksamkeit. Häufige Handynutzung wirkt dem entgegen, sogar wenn das Handy nur auf dem Tisch liegt*.
Im Teamcoaching nutze ich eine eindrückliche Übung um den Unterschied zwischen aufmerksamem Arbeiten einerseits und dem Arbeiten mit Unterbrechungen andererseits erlebbar zu machen. Das führt zu einem Aha-Erlebnis, das viele insgeheim schon vermutet haben. Zudem benenne ich einige Studien zum Thema. Spätestens dann haben die meisten Mitarbeiter:innen die Einsicht, die häufige Handynutzung eindämmen zu müssen und im Team Regelungen für die Handynutzung zu vereinbaren.
Doch Vereinbarungen alleine – quasi „gute Vorsätze“, reichen nicht. Im Coaching von Fach- und Führungskräften sowie Teams bitte ich daher, sich Konsequenzen für das wiederholte Brechen der Regeln und Verhaltensvorsätze zu überlegen. Was passiert, wenn du selber oder Kollegen doch wieder häufig aufs Handy schauen? Was passiert, wenn jemand die vereinbarten Regeln bricht? Wer „darf“ darauf hinweisen?
Ziele setzen und erreichen
Zudem bitte ich in meinen Business-Coachings darum, nicht nur Verhaltens-Ziele und Regeln zu benennen, sondern auch Leistungs- und Ergebnisziele, also KPIs. Eine offensichtliche Konsequenz, wenn ich mein Verhalten nicht geändert habe, ist ja das Verfehlen dieser Ziele. Damit die Erkenntnis nicht zu spät ist, bauen Sie unbedingt Zwischenkontrollen ein.
Was zudem wichtig ist: „feiern“ sie, wenn Ziele erreicht wurden. Belohnen Sie sich und ihr Team durch einen Schulterklopfer, einen Händedruck, ein Glas (alkoholfreien) Sekt. Bei großen Etappen auch gerne mit einer Prämie. Nehmen Sie als Unternehmer oder Führungskraft Erfolge nicht als Selbstverständlich hin („Das ist doch deren Aufgabe“). Nehmen Sie erledigte Aufgaben und erbrachte Leistungen wahr. Sprechen sie ihre Zufriedenheit aus – auch über das Einhalten von Vereinbarungen. Denn auch das motiviert, das Verhalten nachhaltig zu verändern und Ziele gerne wieder zu erreichen.
*Studie aus dem Jahr 2023:
Die bloße Anwesenheit eines Smartphones beeinträchtigt bereits die Aufmerksamkeit, indem sie die Verarbeitungsgeschwindigkeit und damit die kognitive Leistungsfähigkeit reduziert. Selbst ohne Nutzung stellt das Smartphone eine zusätzliche kognitive Belastung dar, die zu messbar langsameren Arbeitsprozessen führt. Um diese Effekte zu vermeiden, sollte das Smartphone bewusst außer Reichweite – idealerweise in einem anderen Raum – platziert werden.
Hintergründe und Tipps für den Umgang mit Handys am Arbeitsplatz
Warum ein bewusster Umgang wichtig ist:
- Ablenkung & Produktivitätsverlust: Häufige Handychecks unterbrechen den Arbeitsfluss und verlangsamen die Bearbeitung von Aufgaben.
- Geringere Qualität: Multitasking führt nachweislich zu mehr Fehlern und weniger Fokus.
- Störung im Team: Unaufmerksamkeit kann Abstimmungen erschweren und andere in ihrer Arbeit behindern.
- Erreichbarkeitsdruck: Permanente Verfügbarkeit erzeugt Stress und mindert Konzentration.
Konkrete Tipps für den Arbeitsalltag:
- Handy außer Sichtweite legen (z. B. in Tasche oder Schublade).
- Feste Handy-Zeiten definieren (z. B. in Pausen).
- Benachrichtigungen deaktivieren, um Unterbrechungen zu minimieren.
- Klare Arbeitsziele (KPIs) setzen, um den Fokus und Erfolgserlebnisse zu fördern.
- Teamregeln vereinbaren, z. B. „handyfreie Meetings“, „Rückmeldedauer“.
- Zwischenziele & Check-ins nutzen, um Fortschritt sichtbar zu machen.
- Erfolge bewusst anerkennen, um gewünschtes Verhalten zu stärken.
Ein strukturierter und bewusster Umgang mit dem Smartphone hilft, Aufmerksamkeit, Effizienz und Zusammenarbeit nachhaltig zu verbessern.
Die Konsequenzen vom permanenten Handy-Konsum eindämmen.
Die Konsequenzen vom Zeitgeist des „permanenten“ Handy Konsums sind nicht nur engen Gängen wie am Bahnhof zwischen Berlin Friedrichshain und Lichtenberg bemerkbar. Sie reichen bis zum Arbeitsplatz: Beschäftigte haben ihr Handy in unmittelbarer Reichweite, blicken mal mehr mal weniger verstolen alle paar Minuten drauf und sind bei der Arbeit nur kurz „präsent“. Sowohl Qualität als auch Quantität der Arbeit können leiden.
Sprechen Sie als Inhaberin oder Vorgesetzter das Thema zeitnah an. Klären Sie miteinander (!) ihre Wünsche, Bedenken und ihre Erwartungshaltung. Suchen Sie eine gemeinsame Lösunge. Ganz wichtig: vereinbaren Sie Konsequenzen und setzen Sie diese um.
In gebückter Haltung andere auf ihrem Weg blockieren mag nur zwischenmenschlich nervig sein. Bei der Arbeit durch häufige Handynutzung Aufmerksamkeit und Zeit zu verlieren kostet hingegen Arbeitsleistung.
Gerne begleite ich Sie im Teamcoaching oder Konfliktcoaching beim Lösen von Performanceproblemen und dem Formulieren und Erreichen von Zielen. Kommen Sie gleich auf mich zu. Schicken Sie mir eine E-mail, rufen Sie mich an oder machen Sie gleich einen Termin für ein unverbindliches Gespräch mit mir aus.
Claudia Seidel
Coaching Methoden
ORSC(TM) Geisterrollen benennen sowie den Umgang damit vereinbaren und üben.

