Professional Certified Coach der ICF - International Coaching Federation
Es knirscht im Team -> Wir brauchen einen Teamtag!

Teamentwicklung: Warum ein einzelner Teamtag selten nachhaltig wirkt

Wenn ich Anfragen für eine Teamentwicklung* bekomme, entstehen sie sehr häufig aus einer Position des Mangels heraus: Im Team gibt es ein Problem. Die Stimmung ist schlecht, die Kommunikation schwierig oder sogar toxisch, an den Schnittstellen hakt es, Prozesse funktionieren nicht effizient, die Performance bleibt hinter den Erwartungen zurück oder der Druck ist hoch. Manchmal trifft auch alles zusammen. 🙂

* Teamentwicklung wird je nach Ziel und Anbieter auch als Teamtraining, Teambuilding, Teamcoaching oder Teamtag bezeichnet.

Teamentwicklung bei Problemen

Eine Teamentwicklung erst bei Problemen durchzuführen, ist schade. Denn bis ein Team schließlich Unterstützung von außen bekommt, ist häufig bereits viel Energie und Zeit „hinter den Kulissen“ verloren gegangen. Es gab vielleicht schon Enttäuschungen, Verletzungen oder Zerwürfnisse. Möglicherweise ist der Krankenstand gestiegen oder Kolleginnen und Kollegen haben gekündigt.

Vieles davon hätte sich möglicherweise früher erkennen und bearbeiten lassen – durch eine kontinuierliche Teamentwicklung.

 

Teamentwicklung aktiv gestalten statt auf Probleme zu warten

Teamentwicklung bedeutet für mich, die Potenziale eines Teams kontinuierlich weiterzuentwickeln: als Team besser zusammenzuarbeiten, voneinander zu lernen, Rollen und Verantwortlichkeiten zu klären, Konflikte konstruktiv zu bearbeiten und die gemeinsame Leistungsfähigkeit zu steigern.

Es gibt allerdings die Vorstellung, dass Teamentwicklung im Grunde von alleine passiert.

Neue Kolleginnen und Kollegen kommen ins Team. Mit der Zeit lernen sich alle kennen und bekommen ein Gefühl dafür, wer welche Aufgaben übernimmt und wie die Schnittstellen funktionieren. Das Team bewältigt Herausforderungen im Alltag und wird dadurch automatisch besser. Fehler werden gemacht und beim nächsten Mal hoffentlich vermieden.

Im Idealfall funktioniert das tatsächlich.

Dann diskutieren Teammitglieder Meinungsverschiedenheiten sachlich, wägen unterschiedliche Perspektiven ab und treffen eine Entscheidung. Wenn eine Kollegin überlastet ist, bittet sie um Unterstützung – und bekommt sie. Noch besser: Die anderen Teammitglieder bemerken die Überlastung und fragen von sich aus, wie sie entlasten können.

Wenn Sie diese Teamkultur haben, ohne sie bewusst entwickelt zu haben: Gratulation!

Die Realität sieht allerdings häufig anders aus.

Welche Probleme ohne kontinuierliche Teamentwicklung entstehen können

Was passiert, wenn eine neue Kollegin ihren Aufgabenbereich anders versteht als ihr Vorgänger?
Was ist, wenn Ziele, Prozesse, Rollen oder Verantwortlichkeiten unklar sind – oder die Teammitglieder mit ihnen unzufrieden sind?
Was passiert, wenn jemand dauerhaft überlastet oder genervt ist und diese Stimmung auf das gesamte Team überträgt?

Und wie geht ein Team damit um, wenn unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Interessen und Arbeitsweisen aufeinandertreffen und es zunehmend knirscht?

Aus meiner Erfahrung gibt es noch viele weitere typische Dynamiken:

  • Ein Teammitglied fühlt sich nicht ausreichend unterstützt und wird enttäuscht und frustriert.
  • Jemand erhält kritisches Feedback und reagiert vor allem mit Rechtfertigung oder Schuldzuweisungen.
  • Zielkonflikte werden nicht offen angesprochen.
  • Interessenkonflikte bleiben unter der Oberfläche bestehen.
  • Die Verteilung von Aufgaben wird als unfair empfunden.
  • Missverständnisse werden nicht geklärt und entwickeln sich zu persönlichen Konflikten.
  • Unterschiedliche Erwartungen an Zusammenarbeit werden erst dann sichtbar, wenn bereits Frust entstanden ist.

Die entscheidende Frage ist deshalb:

Kann all das in Zahlen-Daten-Fakten-Meetings und Dienstbesprechungen gelöst werden?

Meiner Erfahrung nach: eher nicht.

Denn gute Zusammenarbeit entsteht nicht allein dadurch, dass Aufgaben verteilt, Informationen ausgetauscht und Sachthemen besprochen werden. Sie entsteht auch durch Reflexion, Feedback, gegenseitiges Verständnis und die gemeinsame Auseinandersetzung damit, wie Menschen miteinander arbeiten.

Die Grenzen einer Teamentwicklung erst bei Schwierigkeiten

Wenn es im Team bereits Probleme gibt, liegt es nahe, diese im Rahmen einer extern moderierten Teamentwicklung zu bearbeiten. Das ist sinnvoll – und kann akut sehr viel bewirken.

Der Haken: Ein einzelner Teamtag verändert noch keine Teamkultur.

In einer Teamentwicklung können Erkenntnisse gewonnen, Vereinbarungen getroffen und neue Verhaltensweisen ausprobiert werden. Entscheidend ist aber, was danach passiert.

Werden die Vereinbarungen im Alltag tatsächlich umgesetzt? Wird neues Verhalten ausprobiert, reflektiert und weiterentwickelt? Spricht das Team darüber, wenn es wieder in alte Muster zurückfällt? Denn nach dem Teamtag wartet das Tagesgeschäft. Das operative Geschäft hat Vorrang. Und Veränderung ist anstrengend.

Nachhaltige Teamentwicklung braucht Wiederholung und Reflexion

Aus meiner Arbeit mit Teams und Einzelpersonen weiß ich: Veränderung wird nicht dadurch nachhaltig, dass man einmal darüber spricht. Neue Verhaltensweisen müssen ausprobiert, reflektiert und immer wieder angepasst werden. Genau deshalb ist kontinuierliches „Dranbleiben“ so wichtig.

In hierarchischen Organisationen kommt dabei den Führungskräften eine zentrale Rolle zu. Sie können die Entwicklung des Teams im Alltag aufgreifen, Reflexion ermöglichen, Feedback fördern und Vereinbarungen immer wieder zum Thema machen.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur:

„Was haben wir an unserem Teamtag vereinbart?“

Sondern auch:

„Wie sorgen wir dafür, dass diese Vereinbarungen Teil unseres Arbeitsalltags werden?“

Wenn Enttäuschungen und Verletzungen bereits festgefahren sind

Eine Teamentwicklung erst dann zu starten, wenn Probleme bereits deutlich sichtbar sind, birgt noch ein weiteres Risiko. In der Zwischenzeit können sich Enttäuschungen und Verletzungen verfestigt haben.

Enttäuschungen frustrieren. Wiederholte Enttäuschungen können dazu führen, dass Menschen irgendwann nur noch „Dienst nach Vorschrift“ machen. Persönliche Verletzungen – beispielsweise durch ungeschickt kommunizierte Bedürfnisse oder wiederholte Grenzüberschreitungen – tun weh. Zu viele Verletzungen können sich schließlich zu verhärteten Konflikten entwickeln.

Solche Dynamiken lassen sich in einem einzigen Teamtag nur schwer auflösen.

Und manchmal ist eine Teamentwicklung mit dem gesamten Team sogar gar nicht das passende Format.

Vielleicht leiden mehrere Teammitglieder unter der Situation, während der eigentliche Konflikt nur zwischen zwei oder drei Personen besteht. Dann können Konfliktcoaching oder Business-Mediation die wesentlich passendere und wirksamere Intervention sein.

4 Gründe für eine kontinuierliche Teamentwicklung

1. Probleme frühzeitig erkennen und bearbeiten
Wird Teamentwicklung erst gebucht, wenn die Stimmung bereits schlecht ist, sind häufig schon Zeit, Geld und Produktivität verloren gegangen – im schlimmsten Fall auch Mitarbeiter.

2. Konflikte gar nicht erst verhärten lassen
Sind Gräben zwischen Teammitgliedern bereits tief und ist der Frust groß, braucht es deutlich mehr Zeit und Energie, um wieder zu einer guten Zusammenarbeit zu kommen. Kontinuierliche Teamentwicklung hilft, Spannungen frühzeitig wahrzunehmen und zu bearbeiten.

3. Mit dem Wandel Schritt halten
Die Arbeitswelt verändert sich rasant – durch Digitalisierung und KI, Fachkräftemangel, den Generationenwechsel, Zuwanderung sowie veränderte Vorstellungen von Arbeit und Zusammenarbeit. Teams müssen deshalb ihre Zusammenarbeit, Rollen, Prozesse und Kommunikation immer wieder an neue Rahmenbedingungen anpassen. VUCA und BANI beschreiben diese zunehmend dynamische und schwer vorhersehbare Arbeitswelt.

4. Veränderungen nachhaltig im Alltag verankern
Ein einmaliger Teamtag kann wichtige Klarheit schaffen, Veränderung anstoßen und Vereinbarungen hervorbringen. Nachhaltig werden diese jedoch erst, wenn sie im Arbeitsalltag regelmäßig aufgegriffen, reflektiert und bei Bedarf nachjustiert werden. Leider geht das im operativen Geschäft häufig unter – oder scheitert daran, dass Führungskräfte dafür nicht ausreichende Coachingkompetenz haben.

Warum kontinuierliche Teamentwicklung sinnvoll ist

In selbstorganisierten Teams, die beispielsweise nach Scrum oder anderen agilen Arbeitsmodellen arbeiten, ist kontinuierliche Teamentwicklung bereits häufig Bestandteil des Arbeitsprozesses: In Retrospektiven reflektiert das Team regelmäßig die Zusammenarbeit und überlegt gemeinsam, was verbessert werden kann.

Warum sollte dieses Prinzip nur für agile Teams gelten?

Auch in hierarchischen Organisationen, klassischen Linienorganisationen oder Teams, die nach eher traditionellen Prozessmodellen arbeiten, verändert sich die Zusammenarbeit ständig: Menschen kommen hinzu oder verlassen das Team, Aufgaben verändern sich, neue Führungskräfte übernehmen Verantwortung, Prozesse werden angepasst und Anforderungen verändern sich.

Teamentwicklung ist deshalb kein einmaliges Ereignis, sondern ein kontinuierlicher Prozess.

Ein Team muss nicht erst in einer Krise sein, um sich mit seiner Zusammenarbeit zu beschäftigen. Im Gegenteil: Je früher ein Team gemeinsam reflektiert, desto leichter lassen sich kleine Irritationen bearbeiten, bevor daraus große Konflikte werden.

Teamentwicklung als kontinuierlichen Prozess gestalten

Eine wirksame Teamentwicklung kann deshalb ganz unterschiedliche Formate miteinander verbinden: Teamtage, Teamcoachings, moderierte Reflexionsrunden, Workshops, Retrospektiven oder gezielte Konfliktklärung.

Es geht nicht darum, möglichst viele Maßnahmen durchzuführen. Es geht darum, die Entwicklung des Teams regelmäßig und passend zu den aktuellen Herausforderungen aufzugreifen.

So kann aus einem einmaligen „Wir müssen dringend etwas tun!“ ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess werden, der Zusammenarbeit, Eigenverantwortung und Leistungsfähigkeit stärkt.

Teamentwicklung durch regelmäßiges Teamcoaching

Gerne begleite ich Sie als Teamcoachin bei der kontinuierlichen Teamentwicklung Ihres Teams.

Buchen Sie einen Kennenlerntermin mit mir, schreiben Sie mir eine E-Mail oder rufen Sie mich unter 030 55 15 47 93 an. Dann besprechen wir gemeinsam, was Ihrem Team nützt und welches Vorgehen sinnvoll ist.

Viele Grüße

Dipl.-Ing. Claudia Seidel MSc

PCC = Professional Certified Coach by the ICF (International Coaching Federation)
ORSCC = Certified in Organizational and Relationship Systems Coaching by CRR Global

Coaching Methode

GPRI-Modell von Richard Beckhard
Teamcoaching-Tools und Skill nach ORSC™ und Workshop-Moderation bzw. Facilitation nach ORSC™ und competence on top.

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